Als die Bevölkerung der Stadt Dachau mit ihrer damals noch einzigen Pfarrei St. Jakob auf über 10.000 Einwohner angewachsen war, musste der damalige Stadtpfarrer von St. Jakob, Friedrich Pfanzelt, angespornt und unterstützt besonders durch die tatkräftige Initiative des Herrn Apothekers und Kirchenpflegers Maximilian Höfler und der Kirchenverwalter Josef Burghart und Georg Sillet, an die Teilung der Pfarrei und den Bau einer neuen Kirche im Stadtteil Augustenfeld denken, nicht zuletzt weil die Bewohner der früher selbstständigen Gemeinde einen zu weiten Weg zur Pfarrkirche St. Jakob hatten.

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Stadtpfarrer Friedrich Pfanzelt nach dem ersten Spatenstich (Foto: privat)

Wahl und Erwerb eines geeigneten Grundstücks waren besonders der Rührigkeit des Herrn Apothekers Maximilian Höfler und des Landwirts Thomas Mannhart zu verdanken. Am Allerseelensonntag 1937 konnte Stadtpfarrer Friedrich Pfanzelt persönlich den ersten Spatenstich vornehmen. Er sagte dazu: „Im Namen Gottes sei es begonnen. Mit dem Segen Gottes werde es erbaut. Zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen möge es vollendet werden!“

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Einmauern des Grundsteins in der Pfarrkirche St. Peter (Foto: privat)

Fünf Wochen später, am 12. Dezember 1937, war dann die Grundsteinlegung durch den hochwürdigen Herrn Prälaten Dr. Nicolaus Brehm. Bezeichnete für die Dringlichkeit des Kirchenbaues war dabei der Umstand, dass an diesem Tag das Kirchenschiff bereits in voller Höhe aufgemauert, die Sakristei gebrauchsfertig war, und der bis zum 1. Stockwerk hochgezogene Turm dem Kirchenchor als Empore dienen konnte.

Den Plan für die Kirche hatte der Münchener Architekt Franz Xaver Huf ausgearbeitet. Bezeichnend für die damaligen örtlichen Verhältnisse ist, was der Architekt in einem Schreiben zu seinem Plan geschrieben hat: „Die Form und Ausstattung der Kirche musste ich so einfach wie möglich halten, damit der Bau nicht zu teuer kommt. Den Turm habe ich wohl ziemlich massig vorgesehen, aber nur mit einem einfachen Satteldach, weil das billiger kommt und er in der Dachauer Gegend heimisch ist.“ Die Kosten veranschlagte er auf 120.000 Reichsmark. Der damalige Erzbischof, Kardinal Michael Faulhaber, hatte persönlich die Sorge um die Aufbringung der Geldmittel für den Kirchenbau übernommen. Die Ausführung des Baues wurde dem Baumeister Vitus Lachner in Stetten bei Dachau übertragen. Manche Pfarrangehörige sind noch heute stolz darauf, dass Mitglieder ihrer Familien als Maurer oder Zimmerleute am Bau ihrer Pfarrkirche mitgewirkt haben.

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Die neu erbaute Pfarrkirche St. Peter (Foto: privat)

Am 4. September 1938, am 13. Sonntag nach Pfingsten, wurden aus der Mutterkirche St. Jakob die Reliquien der Hl. Märtyrer Martialis, Redemptus und der Hl. Clementia in die neue Kirche übertragen. Der hochwürdigste Erzbischof, Kardinal Michael Faulhaber, konsekrierte das neue Gotteshaus mit der Bitte an unseren Herrn Jesus Christus, dass der Hl. Apostel Petrus ihr seinen Namen geben und ihr Schutzpatron sein dürfe.

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Weihe der Pfarrkirche St. Peter durch Kardinal Michael Faulhaber (Foto: privat)

In der Predigt sagte der Kardinal: „Wo eine Petruskirche steht, muss ein starkes Glaubensleben und eine große Liebe zum Heiligen Vater, dem Nachfolger des Hl. Petrus, sein. Dachau ist nun eine Dreiapostelpfarrei geworden. Es steht unter dem Schutz der Hl. Petrus (St. Peter), Johannes (St. Johann) und Jakobus (St. Jakob), der drei Jünger, die der Herr zu Zeugen seiner Herrlichkeit auf dem Berg der Verklärung, aber auch zu Zeugen seiner Not auf dem Ölberg gemacht hat. Wo eine Apostelkirche steht, muss auch ein Funke des Apostelgeistes in eure Herzen kommen. In dieser neuen Apostelkirche richtet der Oberhirte an Euch einen dringenden Aufruf zum Aposteldienst, besonders an die Jugend und an die Familien zum Aposteldienst auch an anderen, die arm geworden sind durch Unglauben.“

Nach der hl. Wandlung der ersten heiligen Messe, die der Bischof in der neu geweihten Kirche feierte, entzündete Stadtpfarrer Friedrich Pfanzelt in ihr das Ewige Licht zum Zeichen dafür, dass wir uns vom Augenblick der ersten heiligen Wandlung an der fortwährenden geheimnisvoll-leibhaftigen Gegenwart unseres Herrn Jesus Christus in dieser unserer Kirche erfreuen.

Die sich neu bildende Pfarrgemeinde St. Peter und ihr erster Seelsorger, Johannes Winhart, hatten es sehr schwer, ihre neue Kirche auszustatten. Denn schon ein Jahr nach der Kirchweihe brach der 2. Weltkrieg aus. Das Kloster Indersdorf stellte alte, barocke Kreuzigungs- und Heiligenfiguren leihweise zur Verfügung. Die vier alten, aus dem 17. Jahrhundert stammenden, und von der Mutterpfarrei St. Jakob der Tochterkirche als Mitgift gegebenen Glocken wurden alsbald für Kriegszwecke beschlagnahmt und aus dem 26 Meter hohen Turm geholt.

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Originalausstattung der Pfarrkirche St. Peter (Foto: privat)

Quellverweis: Nikolaus Schwankl, „St. Peter Dachau – Kirche und Pfarrgemeinde“, Broschüre erschienen im Libertas Verlag für Kirche und Heimat, Hubert Baum Stuttgart, 1963

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