Weihnachtsstern

Einführung

Viele fragen sich: „Warum muss denn auf die Freude und den Glanz von Weihnachten gleich ein Märtyrerfest gelegt werden?“ Die schlichte Antwort darauf lautet: „Das Fest des Stephanus war eher!“

Die frühen Christen feierten schon Stephanus und andere Märtyrer als Zeugen ihres Glaubens. Erst viel später hatten sie die Möglichkeit, das Jahr nach christlicher Sicht zu gestalten. Sie sahen Christus als das Licht für die Welt und wählten als Geburtsfest einen Tag in der Nähe der Wintersonnenwende.

Christus erlebten sie als Licht für die Menschen. Sein Tun machte Mut, seine Worte fanden Antwort – damals wie hoffentlich auch heute.

(Quelle: Norbert Riebartsch, 2020, redemtoristen.at)

Predigt

„Ohne Christstollen kein Weihnachten“. Das habe ich letztens in einem Radiobeitrag gehört.

Und da habe ich mich gefragt, was macht den 25. Dezember mit seinem Vorabend eigentlich zu diesem besonderen Tag? Und welche Botschaft nährt uns – angesichts der Frage, welche Traditionen so im Laufe der Zeit im Weihnachtsfest zusammengeflossen sind. 

Ich nehme mal einen Weihnachtsstern (siehe obiges Bild) mit seinen acht Zacken, um das zu beleuchten.

  1. Als erstes haben wir die Geschenke. Das berührt uns von Kindheit an ganz unmittelbar. Das erste, was die Kinder im Kindergarten mit glänzenden Augen zu Weihnachten sagen, ist: wir freuen uns auf die Geschenke. Dadurch fühlen wir uns geliebt.
  2. Dann macht die geheimnisvolle Atmosphäre dieses Fest so bezaubernd. Eine Spannung wird aufgebaut, wenn das Weihnachtszimmer für Kinder erst mal zu ist und sie erst hineindürfen, wenn das Glöckchen bimmelt. Dieser Zauber aus Kindertagen verschwindet, wenn die Lebensumstände schwer werden. Es ist eine Herausforderung, wenn dieser Zauber zu einer Erwartung wird, die nicht mehr eingelöst werden kann. Dann gilt es, das Gewicht auf einen der anderen Strahlen des Sterns zu legen.
  3. Natürlich spielt das Christkind die zentrale Rolle. Martin Luther hat das Bild vom Christkind mit den Flügeln eingeführt. Damals war es noch üblich, dass der Heilige Nikolaus die Geschenke bringt. Und um sich von den Katholiken zu unterscheiden, wurden die Geschenke im protestantischen Raum ab da an Weihnachten und vom Christkind gebracht. Das hat sich zu einem tiefsitzendenden und beglückenden Bild vom himmlischen Kind entwickelt.
  4. Im Gottesdienst hören wir dann von dem irdischen Kind Jesus in der Krippe mit den himmlischen Boten, die Gott loben und den Frieden verkünden. Diese Botschaft trifft unsere tiefste Sehnsucht. Für alle, die noch irgendwie an die Kirche gebunden sind, heißt es: Ohne Christmette kein Weihnachten.
  5. Ganz entscheidend zu Weihnachten gehören die Lieder – im Gottesdienst und zu Hause. Sie rühren direkt an unser Gefühl. Ich führe die Reihe fort: Ohne Weihnachtslieder keine Freude an Weihnachten.
  6. Nun komme ich zum Anfang, dem Christstollen und den Plätzchen. Zum einen ist es für viele ganz wichtig, dass es an Weihnachten immer dasselbe Essen gibt. Das hält den Zauber des Festes lebendig. Und zum anderen hat das süße Gebäck tatsächlich religiöse Wurzeln. Im Alten Testament lesen wir z.B. bei Jeremia, dass die Menschen Kuchen gebacken haben, um ihre alte Muttergöttin – die es tatsächlich auch mal gab – zu verehren. In Jer 7,18 heißt es: „Die Kinder sammeln Holz, die Väter zünden das Feuer an und die Frauen kneten den Teig, um Opferkuchen für die Himmelkönigin zu backen.“ Das hört sich so wichtig an, wie unser Weihnachtsritual, Plätzchen zu backen. Ein bestimmtes Gebäck dient also dem religiösen Vollzug. Durch Backen, den speziellen Geruch und das miteinander Essen wird das, was wir feiern, Wirklichkeit. Zimtsterne erinnern uns an den Stern, der die Menschen zur Krippe führt.
  7. Die vielen Lichter am Christbaum in Wohnung, Kirche und den Straßen der Stadt führen uns noch weiter zurück, nämlich an das ursprüngliche Fest am 21. Dezember: die Wintersonnwendfeier. Da, wo die Tage beginnen wieder heller zu werden, also kurz nach der dunkelsten Zeit des Jahres, wurde der Beginn des neuen Lebens gefeiert, die Wiedergeburt des Lichts.  Erst im 9. Jahrhundert wurde das Fest der Geburt Jesu auf den 25. Dezember gelegt, also ganz in die Nähe der Wintersonnwende. So bekam das alte Fest eine neue Deutung – und die Geburt Jesu einen Termin. Dadurch bestimmt dieses zyklische kosmische Geschehen auch heute immer noch unser Lebensgefühl an Weihnachten. Wie in einem Kreislauf leben wir in einem Auf und Ab von Dunkelheit und Licht. Wie in der Natur gibt es in unserem Leben Zeiten der Dunkelheit mit Krankheit, Hass, Krieg und Zeiten des Lichts mit Heilung, Versöhnung, Liebe. Mit der Geburt des Lichtes in der dunkelsten Zeit des Jahres schenkt uns Weihnachten Hoffnung: es wird wieder hell – auch in unserem Leben.
  8. Und schlussendlich kommen wir zu Stephanus und seiner Begeisterung für Jesus. Und jetzt wird es ungemütlich. Die Erzählung führt uns mitten in die ganz normale Situation einer Gesellschaft – damals wie heute. Immer gibt es unterschiedlichen Gruppierungen, von denen sich die eine von der anderen übersehen oder auch in Frage gestellt fühlt. Damals gab es die aramäisch sprechenden Juden (die Hebräer) und die griechisch sprechenden Juden (die Hellenisten). Es gab Sprachschwierigkeiten unter den beiden Gruppen. Und die hellenistischen Witwen hatten sich in der täglichen Versorgung durch die Hebräer benachteiligt gefühlt. So haben sie beschlossen, 7 Hellenisten für die Versorgung ihrer eigenen Gruppierung auszusenden, darunter Stephanus. Stephanus war stark enthusiastisch, vom Geist erfüllt, und hat das Liebesgebot zur alleinigen Norm gemacht. Das hätte in der konservativen Synagogengemeinde eine Veränderung verlangt. Damit hat er den Widerstand derer herausgefordert, die um ihr Gesetz und ihre Tradition fürchteten. Und es flogen Steine. Wo ist da die Weihnachtsbotschaft? Wo ist da Frieden? Neues Leben? Licht? Stephanus hat sich ohne Gegenwehr und ohne Angst steinigen lassen, absolut gewaltfrei. Er hat den Himmel offen gesehen. Im Herzen hatte er Frieden gefunden. Seltsamerweise hat sich durch dieses einschneidende Erlebnis erst die Kirche gebildet. Es ist also anders und gut und trotzdem nie ohne Konflikte weitergegangen. Und das ist die heutige frohe Botschaft an Weihnachten, die Botschaft, die uns weiterbringt, die immer wieder über Zerwürfnisse hinaus Leben ermöglicht: Wir werden beschenkt von der Liebe und dem Licht Gottes. Wir sind eingeladen, uns dieser Liebe zu öffnen und uns stärken zu lassen. So wird Toleranz möglich. Tolerieren heißt ertragen, erdulden und hat nichts mit Gleichgültigkeit zu tun. Gerade bei Menschen, die uns nahestehen, ist es ja besonders schwer, wenn uns verschiedene Einstellungen trennen. Und gerade da ist es ein Ausweg aus dem Teufelskreis von Hass und manchmal auch Gewalt, wenn wir uns gegenseitig in unserem Anderssein ertragen, ohne unsere eigene Haltung zum Leben zu verraten. Das ist schwer. Wie leicht geht uns selbst das Messer in der Hose auf! Und genau mit diesen Gefühlen umzugehen und das Messer in der Hosentasche zu lassen und es möglichst wieder zuzumachen, weil es uns sonst selbst verletzt – dafür ist uns Stephanus ein Vorbild. Das bringt den echten, alltagstauglichen Frieden der Weihnacht.

So schließt sich der Kreis, der Weihnachtsstern wird rund. Und in der Mitte erfahren wir den Engel, der in all unserer Dunkelheit die große Freude verkündet: Christus der Retter ist geboren. Frohe Weihnachten!

(Angelika Elsen-Heck, 26.12.2021)

Botschaft am 2. Weihnachtsfeiertag (Stephanus)

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