Weihnachten 2021

„Maria bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“

Liebe Seniorinnen und Senioren,

im Evangelium vom Weihnachtsmargen hören wir in diesem Jahr unter anderem den Vers „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“. (Lk 2,19) – Was war geschehen? Die Hirten kamen zu Josef und Maria und erzählten ihnen, was sie auf dem Feld, bei ihren Schafen, erlebt hatten. Es kam ein Engel zu ihnen und sagte: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.“ Eine unglaubliche Botschaft! – Was kann sie bedeuten? Maria erwägt diese Botschaft in ihrem Herzen. Doch zu welchem Schluss sie dabei kommt, erfahren wir nicht. Das Lukasevangelium stellt uns Maria im ersten Kapitel als eine Frau vor, die ihr Leben in die Hände Gottes legt, eine Frau die ganz und gar auf Gott vertraut. In diesem Gottvertrauen kann sie uns Vorbild sein. Gerade auch in dieser schwierigen Zeit, die wir alle durchleben. Wie können wir in dieser Zeit die Botschaft der Hirten deuten? Wer ist für uns dieser „Retter, der Christus, der Herr“? Das muss, wie Maria, jede und jeder von uns selbst im Herzen erwägen.

Wir erleben in diesen Zeiten viele Menschen, die „rettend“ tätig sind: Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte, Menschen, die sich rücksichtsvoll verhalten. Jede und jeder kann einen „rettenden“ Beitrag in dieser Pandemie leisten. Die Gesellschaft braucht es auch, dass möglichst viele das tun, damit andere nicht von der Last ihrer Aufgaben erdrückt werden. Alle diese Menschen, mit ihren solidarischen Taten (im Kleinen und im Großen), sind „rettend“ tätig.

Doch wer ist „DER Retter, der Christus, der Herr“ für uns? So wie Maria an dieser Stelle des Evangeliums können wir darauf noch keine Antwort geben. Dafür müssen wir weitergehen, und die Taten und Worte Jesu und die Ereignisse um und mit ihm in unseren Herzen erwägen. So sind wir alle neu eingeladen, nicht bei der Weihnachtsgeschichte stehen zu bleiben, sondern das ganze Evangelium zu lesen, die Worte, die darin zu uns sprechen, in uns aufzunehmen. Wir sind eingeladen, vielleicht gerade auch in dieser Zeit, eine Antwort auf die Frage zu finden: Wer ist mein Retter, mein Christus, mein Herr?

Ich wünsche Ihnen von Herzen einen fruchtbaren Weg des Erwägens und dabei immer wieder die Gewissheit, dass Jesus Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, diesen Weg und auch den Weg durch die Corona-Krise begleitet! Ihnen und allen Menschen, denen Sie sich verbunden fühlen, wünsche ich ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest!

Ihr
Reinhard Kardinal Marx
Erzbischof von München und Freising

Hinweis: Den Brief des Erzbischofs können Sie hier auch herunterladen und ausdrucken.

Brief zum Weihnachtsfest

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