<Part: Susanne Schulz-Krönert>

Am heutigen Sonntag feiern wir den Dreifaltigkeitssonntag. Aber was ist verbirgt sich dahinter?

Aus meiner Heimat kenne ich das Sprichwort „Allerlei sind Drei“. Die „Drei“ zieht sich wie ein Faden durch mein Leben. Wer kennt das nicht vom Sport: „Auf die Plätze (1); Fertig (2); Los (3)? Bei der Lösung eines Problems hat man meist einen „Plan A“ und einen „Plan B“; sicher fühle ich mich mit einem „Plan C“. Wenn wir gemeinsam etwas schaffen wollen, heißt es oft: „auf Drei“ (Eins, zwei, drei und anheben…). Folgt ein Kind nicht, sagen wir oft „Ich zähle jetzt bis ‚Drei‘, wenn du es bis dahin nicht gemacht hast, dann…“

So könnte ich noch zahlreich weitere Beispiele finden, und wenn Sie sich mal selbstkritisch beobachten, werden Sie sicherlich auch einige solcher Begebenheiten finden. Allem ist jedoch gemeinsam, dass erst mit „Dreien“ etwas reichhaltig und rund wird. Wir sehen das auch in der Familie, unserem Lebensprinzip, das wir seit Menschengedenken erleben: Mann und Frau bekommen ein Kind und sie werden eine Familie. Sie werden vollständig. So geht das Leben weiter. So bringt Beziehung Frucht. Das Leben zeigt sich im Zusammenkommen von Dreien.

So reden wir auch von Gott. Seine Liebe wird für uns erfahrbar im Zusammenspiel von drei göttlichen Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist). Gott als „Ganzes“ zu erfassen, geht nicht. Es geht genauso wenig, wie in die Sonne zu schauen. Wir können es nicht. Sie ist viel zu hell. Aber wir können ihre Strahlen spüren. Wo diese Strahlen ankommen, da wird es hell und warm und lebendig. Und so ist das auch mit Gott und seiner Ausstrahlung. An drei Strahlen aus der Licht- und Lebensfülle Gottes erinnert uns das heutige Dreifaltigkeitsfest.

<Part: Angelika Elsen-Heck>

Nun ist es an mir, diese drei Strahlen mit Farben zu füllen bzw. ihr Licht so zu brechen, dass wir die einzelnen Farben des Prismas auf uns wirken lassen können.

Schauen wir auf Gott-Vater. Eigentlich ist das eine Formulierung, die verkürzt. Es geht darum, das Geheimnis der Schöpfung wahrzunehmen. Gott in allem. Gott im Werden. Gott, die Kraft, die Neues entstehen lässt. Wenn wir vom Schöpfergott reden, von der Kraft, die uns und die Welt in Liebe geschaffen hat, dann müssten wir auch von Gott-Mutter reden, von der Mutter Erde, von der Mutter Natur. Aus ihr wächst alles Leben. Archäologische Funde zeigen, dass Gott Jahwe sehr lange zusammen mit der Göttin Aschera verehrt wurde. In der Bibel finden wir noch die Zeugnisse ihrer „Abschaffung“, als nur noch der eine Gott verehrt werden durfte. Die Rolle der Mutter wurde nun in die des Vaters integriert. Wenn wir diesen Strahl in einem Prisma wieder aufbrechen, können wir sagen: Gott wirkt väterlich – er rettet, erlöst, macht uns groß, spricht und liebt. Und Gott wirkt mütterlich – sie empfängt, trägt in ihrem Schoß, auf Hebräisch: sie erbarmt sich (rachamim / Barmherzigkeit heißt wörtlich übersetzt Gebärmutter, Mutterschoß), beschützt, hört und liebt. Gott väterlich und mütterlich – ein wärmender und aufbauender Sonnenstrahl.

Und da ist ein zweiter Strahl, der Sohn, Jesus Christus. Wenn wir von Christus, dem Sohn Gottes reden, dann tun wir das in der Denkweise des Hellenismus, der antiken griechischen Denkwelt. Der Begriff Sohn bezeichnet dabei das Sein. Deshalb haben sich die ersten Bischöfe und Theologen fast zerkriegt, als sie im Konzil von Ephesos im Jahre 449 geklärt haben, ob Jesus nur ein gottähnlicher Mensch oder vom Wesen her ganz Gott ist. Was wir seit fast zweitausend Jahren versuchen zu verstehen, ist also das Ergebnis einer Abstimmung… Viel besser gefällt mir die hebräische Denkweise. Da bezeichnet das Wort Sohn nicht das Sein, sondern die Beziehung. Wer eine gute Beziehung zu jemandem hat, wurde im alten Israel zum Sohn oder zur Tochter. Jesus hatte eine dermaßen innige Beziehung zu Gott, dass er ganz gotterfüllt war. Gott war in ihm. Er war in Gott. Durch diese innige Durchdringung wurde er zu Gottes Sohn. So ist der Sohn Gottes ein ebenso bunter warmer Sonnenstrahl: er ist Menschen begegnet. Er hat Kranke geheilt, Aussätzige wieder in die Gemeinschaft geholt, Männer und Frauen mit auf seinen Weg genommen, und war ganz klar in seiner Liebe, so klar, dass er sich sogar dafür hat töten lassen. Und das Besondere: An ihm durften wir erleben, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Der Sohn schenkt uns mit der Auferstehung neues Leben.

Der dritte Sonnenstrahl ist der Heilige Geist. Das hebräische Wort für Geist ist „ruach“ und bedeutet Wind, Atem, Geist. Ruach ist weiblich. Deshalb rede ich lieber von der Geistkraft. Die Geistkraft im Alten Testament wirbelt alles auf, macht neu, ist eine lebendige, feurige Kraft. Das erleben auch die Jünger an Pfingsten. Der Geist, die Geistkraft erfüllt sie, und sie sind verändert: sie haben keine Angst mehr, gehen raus und verstehen plötzlich alle Menschen. So lässt dieser Sonnenstrahl neues wachsen: er bewegt, gibt Kraft, schenkt Begeisterung und verbindet die Menschen. Gemeinschaft wird möglich, Kirche entsteht. 

<Part: Susanne Schulz-Krönert>

Wir können Gott nicht schauen. Aber seine Strahlen haben uns erreicht und erreichen uns immer wieder. Wir spüren sie auf unserer Haut. Manchmal spüren wir sogar, dass sie uns unter die Haut gehen: in der väterlich-mütterlichen Liebe Gottes, in der Begegnung mit dem Sohn und in der Verbindung durch die Geistkraft.  Wir spüren und erleben sie in der Schöpfung und Mutter Natur; den Lehren Jesu, die uns den Weg zeigen, mit der Schöpfung umzugehen, und unseren eigenen Fähigkeiten und Begabungen; die uns wiederum helfen, diese unsere Welt, unsere Mutter Natur; unsere Gemeinschaft zum Wohle aller zu erhalten. Und weiterzuentwickeln. So wirkt Gott dreifaltig.

Amen.

Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag

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