Oh nein, jetzt ist der Teil-Lockdown schon wieder verlängert worden! Und die schöne Aussicht, wenigsten an Silvester mit neun Freunden feiern zu können, ist wieder ungewiss.

Gut, wir müssen nicht hungern. Und wir haben ein Dach über dem Kopf. Aber wir merken jetzt: Wir brauchen noch viel mehr zum Leben!

Bei der Vorbereitung dieses Gottesdienstes haben wir uns gefragt, was wir eigentlich zum Leben brauchen. Wir haben folgendes gefunden:

(Jugendliche lesen vor und heften Zettel an die Stellwand.)

Einiges davon bekommen wir gerade nicht. Wir sind vom vollen Leben abgeschnitten.

Heute am Nikolausvorabend denken wir an eine alte Geschichte. Für eine Familie in Myra, in der heutigen Türkei, vor 1700 Jahren war auch plötzlich alles anders. Es war eine Patrizierfamilie. Sie gehörte zu den Reichen und Adeligen in der Stadt. Sie hatten ausgesorgt und was zu sagen. Es wird nicht erzählt warum, aber aus irgendeinem Grund verloren sie ihr Geld und waren plötzlich arm. In der Familie gibt es drei jugendliche Töchter. Ihr Vater weiß nicht mehr, wie er die Zukunft seiner Töchter sichern kann. Sie können nicht heiraten, weil die Aussteuer fehlt. Eine Ausbildung und Arbeit wie heute, war für Frauen damals nicht üblich. Der Mann sieht nur einen Ausweg: Er will die drei Töchter auf die Straße schicken, damit sie sich prostituieren und so vielleicht das nötige Geld zusammenkriegen.

Jetzt taucht Nikolaus auf. Auch er stammt aus einer reichen Familie. Als er sechzehn Jahre alt war, starben seine Eltern. So kann er allein über das Geld und Gold seiner Eltern verfügen.

Als er die Not dieser Familie sieht, will er helfen. Die jungen Frauen dürfen nicht erniedrigt werden!  Er wickelt Gold in ein Tuch und wirft in drei Nächten hintereinander den Mädchen heimlich jeweils etwas in ihr Zimmer. Der Vater kann die Hochzeit ausrichten. Erst später wird bekannt, dass es Nikolaus war. So erleben sie dreimal Bescherung, dreimal neues, menschenwürdiges Leben.

Heute in der Lesung haben wir auch von neuem Leben gehört. Ein Leben, das sein wird, wenn Jesus kommt – oder sagen wir besser: wenn das Reich Gottes kommt. Jesus will uns das Reich Gottes bringen. Einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt. Ein neues, volles Leben, in dem es gerecht zugeht!

Wie kann das denn jetzt bei uns erlebt werden? Bestimmungen zur Eindämmung der Pandemie können nicht gerecht sein. Es gibt immer jemanden, den die Einschränkungen härter treffen als andere. Wie sehr wir darunter leiden, hängt ganz von der individuellen, einzelnen Situation ab. Dennoch ist es für euch Jugendliche einschneidender als für uns Erwachsene. Jeder Monat, jedes viertel Jahr bedeutet für euch eine neue Entwicklung. Wir alle sind Gemeinschaftswesen, brauchen eine Gruppe, zu der wir gehören. Aber bei euch Jugendlichen ist noch nichts fest. Ihr sucht, probiert aus, seid mal mit den einen zusammen, dann mit den anderen. Findet erst im Laufe der Jahre euren Platz im Beziehungsnetz. Und dieses Netz ist jetzt auf Eis gelegt.

Das ist schlimm.

Mit dem heutigen Gottesdienst wollen wir euch Anregungen geben, wie ihr trotzdem einigermaßen gut durch diese Zeit kommt. Was kann helfen?

Der heilige Nikolaus wird immer mit drei goldenen Kugeln dargestellt. In manchen Erzählungen sind es auch drei goldene Äpfel. Dieses Bild gefällt mir besser. Es zeigt, dass es um ein Symbol geht. Deshalb haben wir hier vorne auch drei golden angesprühte Äpfel liegen. Die drei goldenen Äpfel stehen – genauso wie der Lesungstext heute – auch für das Leben. Äpfel stehen für Fruchtbarkeit und Liebe. Sie nähren und halten uns gesund. Gold steht für inneren Reichtum, für Glück und Vollkommenheit – und für Gott.

Der Heilige Nikolaus zeigt einen Weg, wie wir zu diesem neuen Leben kommen können. Er schaut nicht auf sich. Er wollte als Helfer verborgen bleiben. Es geht ihm darum, zu teilen. Nicht das Haben macht glücklich, sondern das Teilen. Nicht das Haben macht alle gleichermaßen reich, sondern das Teilen.

Was können wir heute teilen, damit wir zu neuem Leben kommen?

Wir können einfach miteinander das teilen, was wir haben: das sind unsere Sorgen, aber auch unser Ohr, unsere Worte und unser Vertrauen, auch das Gottvertrauen.

Wir haben hier einmal für euch zusammengestellt, wie das gehen kann.

Julia: Ich habe Angst um meine Zukunft.

Angelika: Ich höre dir zu. Wenn du deine Sorgen erzählst, schreibst, mit jemandem teilst, kommen vielleicht Ideen, auf die du allein nicht kommst.

Franzi: Ich vermisse die Nähe von Freunden.

Angelika: Ich verstehe dich so gut. Das ist etwas, was uns jetzt alle verbindet. Vielleicht hilft es dir, wenn du weißt: du stehst damit nicht allein da.

Andi: Ich weiß nicht, wie es mit der Wirtschaft weitergehen soll.

Angelika: Ja, das wissen wir alle nicht. Aber es hilft, zu schauen, was dir dabei Sorgen macht, wovor genau du Angst hast. Und schau einmal, worauf du vertrauen kannst. Unsere Regierung bemüht sich wirklich, jetzt mit Überbrückungsgeld, ein Zusammenbrechen der Wirtschaft zu verhindern. Auch hier teilen wir als ganze Gesellschaft. Natürlich gibt es Verluste und Not. Und auch hier ist wieder Zusammenhalten und Teilen gefragt: kreative Ideen zur Unterstützung von Selbständigen, ein Zusammenrücken von Familien, manchmal auch ein bewusster Verzicht auf Gewinn und staatliche Unterstützung, weil noch genug finanzielle Reserve da ist. Im Radio habe ich von einem Schausteller gehört, der das so sieht.

Eine Krise kann man nur gemeinsam bewältigen. Und dazu holen wir heute auch Gott ins Boot. Wir dürfen auf Gott vertrauen. Er kommt zu uns. An Weihnachten feiern wir das Licht, wir feiern Jesus, der uns neues Leben bringt. Wir sind eingeladen, Gott zu vertrauen und miteinander zu teilen. Damit wir auch in schweren Zeiten alles bekommen, was wir zum Leben brauchen.

Liebe geht durch den Magen. Deshalb teilen wir heute mit euch jetzt einen kleinen Schokoladen-Nikolaus.

Angelika Elsen-Heck, Gemeindereferentin

Predigt im Jugendgottesdienst am 5. Dezember 2020

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