Lesung: Weisheit 6,12-16

Evangelium: Matthäus 25,1-13

Zehn Jungfrauen auf einer Hochzeit? Und nur ein Bräutigam? Und was sollen die Lampen da? Und die Ölkrüge? Ich habe mich nun auch erst mal mit dem Hintergrund der Geschichte vertraut gemacht. Mir sind dann die Brautjungfern eingefallen. Freundinnen der Braut, die sie begleiten. So etwas gab und gibt es ja auch hier bei uns, auch, wenn ich selbst noch keine Hochzeit mit Brautjungfern erlebt habe. Und dann wird in der Gegend von Bethlehem – noch lange nach der Zeit, in der Jesus lebte – von Hochzeiten erzählt, bei denen nächtliche Hochzeitszüge üblich waren. Die Brautjungfern hatten Fackeln dabei. Das waren Stangen, die mit Lappen umwickelt und die mit Olivenöl getränkt waren. Manchmal war auch eine Schale für die brennenden Lappen auf die Stange gebunden. Mit diesen Fackeln haben sie Tänze aufgeführt, bis die Fackeln erloschen. Sie brannten meistens ungefähr eine viertel Stunde lang. Im letzten Augenblick musste noch mal Öl nachgegossen werden, damit sie wenigstens bis zum Ende des Tanzes brannten. Wenn nun eine bei der Ankunft merkte, dass sie den Ölkrug zum Nachfüllen vergessen hatte, konnte sie problemlos noch in der Nacht Öl kaufen. Bei einem Fest war das ganze Dorf auf den Beinen, auch die Händler.

So können wir uns gut in die Situation hineinversetzen. Der Bräutigam ist noch nicht da. Er hat sich verspätet, was vorkommen konnte. Die jungen Frauen, die die Braut begleiteten, warten mit ihren Fackeln und schlafen ein.

Dann geht ein Freudenschrei durch die Straßen: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Die jungen Frauen zünden ihre Lampen an und tanzen. Und noch ehe der Tanz fertig ist, müssen einige Öl nachkaufen und sind nicht da, wenn sie mit dem Bräutigam am Ziel angekommen sind und das Fest im Saal beginnt.

Soweit die Geschichte, wie sie bei jedem Fest hätte passieren können. Und nun kommt eine Wendung, die auf eine tiefere Bedeutung hinweist: der Bräutigam lässt die Brautjungfern, die keinen Ölkrug dabeihatten, nicht mehr in den Saal. Er weist sie ab: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

Das ist hart, ja fast brutal. Niemand weiß genau, wie die Geschichte zuallerletzt ausgeht, ob es wirklich so bleibt, wie es scheint. Aber deutlich ist: Jesus will uns wecken, aufrütteln, verunsichern.

Er will uns sagen: es gibt Situationen, da gilt es den Moment zu erwischen. Jetzt tun, was ansteht. Jetzt schauen, was nötig ist, um froh zu werden. Es geht ja um eine Hochzeit, um ein Fest, was wiederum ein Bild für das Himmelreich ist. Manche schönen und wichtigen Momente sind einfach vorbei und verloren, wenn wir sie verschlafen. Sie kommen nicht wieder. Das ist damit gemeint, wenn die Türe für die törichten Jungfrauen am Ende zu ist. Der himmlische Moment ist verflogen.

Jesus will, dass wir ins Himmelreich kommen. Und zwar schon jetzt, in unserem Leben. Gerade scheint es, dass das Himmelreich ganz weit weg ist. Corona hat uns viele Türen vor der Nase zugeschlagen. Menschen wurden und werden schwer krank, fehlen uns, wenn sie daran sterben mussten, wir leiden unter den fehlenden Kontakten, dem Zusammenbruch der Wirtschaft in einigen Bereichen.

Und doch geht das Leben weiter. Und doch gibt es Begegnungen, Anrufe, Zeit für sich, ja vielleicht mehr als sonst die Gelegenheit, zu überlegen, was im Leben wirklich zählt. Wenn es sich so anfühlt, als ob wir vom Leben abgeschnitten wären, hilft es, sich die guten Momente des Tages abends einmal aufzuschreiben. Manche von Ihnen kennen es, haben es vielleicht nach einer Krankheit auf einer Reha empfohlen bekommen: ein Danktagebuch zu schreiben. Wenn wir jeden Abend drei kleine Begebenheiten aufschreiben, die in all dem Mühsamen und Schweren doch auch schön waren, können wir dankbar werden. Ich habe das auch schon gemacht. Und wenn ich dann wieder einmal durchlese, was da alles zusammengekommen ist, dann bin ich ganz erfüllt von meinem tollen Leben! Das, was wir am Abend aufschreiben, können Kleinigkeiten sein, wie ein freundlicher Blick, eine gelungene Aufgabe, ein Sonnenstrahl, der mir bewusst auffällt. Das können Sie auch! Das kann jede und jeder von uns. Das hilft uns, die schönen Momente wahrzunehmen, erst nur im Nachhinein und dann irgendwann, mit der Zeit, auch direkt, an Ort und Stelle. So können wir lernen, wachsam werden.

Bleib wach! Steh auf! Sei da! Das ruft Jesus nicht nur den Jungfrauen mit ihren Lampen zu. Das ruft er auch uns zu, damit wir die Lampen in jedem Moment anzünden können und in den Festsaal eingelassen werden, damit unser Leben wieder hell und festlich wird. Das ist ein spiritueller Weg. Das geht nicht von heute auf morgen. Das muss geübt werden. Wieder und wieder. Und wenn wir so immer aufmerksamer durch das Leben gehen, spüren wir irgendwann, wie uns Jesus in vielen kleinen Begebenheiten wie der Bräutigam entgegenkommt und uns mit hinein nimmt in den Saal der Freude.

Angelika Elsen-Heck, Gemeindereferentin

Predigt zum 32. Sonntag im Jahreskreis

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