Im Gegensatz zu den Wandmalereien bekamen die Kreuzwegstationen mehr Bewegung. Auch deren farbliche Gestaltung ist fraglos eindrucksvoll gelungen. Dieser Kreuzweg ist nicht dekorativ sondern behält seine Intimität, weil letztlich die Darstellung des Leidens und Sterbens Christi kein Schmuckwerk sondern Anruf an die Gläubigen sein soll, und weil Kreuzwegandachten schließlich keine Besichtigung von Kunstwerken sind sondern ein betendes Betrachten und Besinnen auf die Grundfundamente der christlichen Religion.

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Kreuzwegstation Nr. 10 (Foto: Hans Schertl)

Die Kreuzwegstationen haben eine Größe von 70 x70 cm und sind auf Holz gemalt. Interessant ist vor allem die stets veränderte Farbgebung von Christi Mantel, die je nach der Stimmung der einzelnen Station vorgenommen wurde. Nur die Farbe des Hintergrunds bleibt bei allen Bildern ziemlich gleich, da das eigentliche Thema niemals aus dem Blickfeld gerückt werden durfte, was eine allzu starke Betonung der Farben verwischen würde. Die Stadt im Hintergrund einiger Stationen wurde zur abstrakten Architektur.

Gut gelungen ist auch die Drapierung der Gewänder, was gerade die Station mit der Kreuzigungsgruppe besonders eindringlich zeigt. Neu für die damalige Zeit war ferner die Auffassung, die Kreuzestafel mit der Inschrift INRI direkt hinter dem Haupt Christi anzubringen, wodurch das Antlitz des Herrn noch mehr zum Mittelpunkt wird.


Quellverweis:

  • „Der Kreuzweg für St. Peter entsteht – Kunstmaler Otto Grassl schafft an seiner neuen großen Aufgabe“, Artikel in den Dachauer Nachrichten vom 01.09.1955
  • Hans Schertl, „Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau“, www.kirchenundkapellen.de
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